künstliches Schultergelenk:
Wann eine Prothese sinnvoll sein kann
Wann bei anhaltenden Beschwerden ein künstliches Schultergelenk infrage kommen kann, welche Prothesenarten es gibt und was PatientInnen von Operation und Rehabilitation erwarten können, stand im Mittelpunkt des jüngsten Informationsabends im BKH Reutte. Zahlreiche Interessierte nutzten den gut besuchten Abend, um ihre Fragen direkt an Primar Dr. Philippe Roux zu richten und den neuen Leiter der Abteilungfür Orthopädie und Traumatologie näher kennenzulernen.
Knie- und Schulterambulanz am BKH Reutte
Dienstag und Donnerstag, 13:00 bis 14:30 Uhr
Terminvereinbarung: +43 5672 601-330
Warum die Schulter besondere Aufmerksamkeit braucht, erklärte Roux gleich zu Beginn: Kein anderes Gelenksystem des Körpers ist so beweglich. Gleichzeitig bietet die Schulter vergleichsweise wenig knöcherne Stabilität. Muskeln, Sehnen und Gelenkkapsel übernehmen daher einen wesentlichen Teil der Führung. Eine zentrale Rolle spielt die Rotatorenmanschette – vier Muskeln und ihre Sehnen, die den Oberarmkopf umgeben und das Gelenk stabilisieren. „Bei Schulterbeschwerden reicht es deshalb nicht, nur auf das Gelenk selbst zu schauen. Entscheidend ist, wie Knochen, Muskeln und Sehnen zusammenspielen und wo die Ursache der Beschwerden liegt“, erklärt Primar Dr. Philippe Roux, der über langjährige Erfahrung in der Gelenkchirurgie und Schulterendoprothetik verfügt.
Eine Prothese ist nicht der erste Schritt Gelenkverschleiß (Arthrose), Verletzungen, Knochenbrüche, entzündliche Gelenkerkrankungen oder Schäden an Muskeln und Sehnen können zu anhaltenden Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit führen. Ein künstliches Schultergelenk kommt dann infrage, wenn Beschwerden dauerhaft bestehen und andere Behandlungen nicht ausreichend helfen.
Eine fixe Altersgrenze gibt es dabei nicht. Zwar treten Verschleißerscheinungen mit zunehmendem Alter häufiger auf, entscheidend sind aber die Beschwerden, die Funktion der Schulter und der individuelle Befund. Auch bei jüngeren PatientInnen kann ein Schultergelenksersatz in bestimmten Fällen sinnvoll sein. Internationale Empfehlungen sehen das Alter allein ausdrücklich nicht als Ausschlusskriterium. „Eine Schulterprothese ist keine
Standardlösung. Entscheidend ist, die passende Versorgung für die jeweilige Schulter und die persönlichen Anforderungen der PatientInnen zu finden“, so Roux.
Anatomisch oder invers: Entscheidend ist der Befund
Bei einer anatomischen Schulterprothese wird die natürliche Form des Gelenks möglichst nachgebildet. Sie eignet sich insbesondere dann, wenn Muskeln und Sehnen der Schulter gut funktionieren. Bei einer inversen Schulterprothese wechseln Kugel und Pfanne vereinfacht gesagt ihre Position. Dadurch kann die Schulter auch dann besser funktionieren, wenn die Rotatorenmanschette stark geschädigt ist.